| | Abgetörnt und rumgestoßen und im Beutel kaum noch Gras,
die Gitarre an der Schulter, kommt er morgens in die Stadt,
stellt sich in die Einkaufszeile, wirft den Filzhut vor den Fuß,
stimmt die Saiten, und dann singt er, was er so zu singen hat.
Rentner, zwei Verfassungsschützer und paar Hausfraun bleiben stehn,
Kinder schlängeln sich auf Skateboards, eines macht den Handstand-Trick.
Und die hören wollen, hören zwischen Straßenlärm das Lied
von der letzten autonomen
wunderbaren wunderschönen Selbstbestimmungs-Republik.
Da, wo nicht gelebt wird, singt er, sondern wo man selber lebt,
morgens seine Segel näht und abends auf dem Mondsee fischt,
wo an Kirchen Windmühlen drehen und der Sonnenstrom nachts wärmt,
wo man mit den Fingern Korn sät und mit harten Regeln drischt,
wo die süßen Gärten blühen Mohn und Haschisch-Orchideen,
und in weiten Tempelsälen voll galaktischer Musik
alle eins mit allen Werden, der Guru dann für alle spricht,
von der letzten autonomen
wunderbaren wunderschönen
Selbstbestimmungs-Republik.
Da wird Wasser nicht gespalten, und die Luft hält niemand an,
und das Feuer brennt wie Feuer und verbrennt kein Sonnenlicht.
Und die Erde riecht nach Erde, und die Zeit wird nicht zerhackt,
und die Teile sind ein Ganzes, und Zerlegen macht man nicht.
Und die Wunden aus dem Land der permanenten Repression
heilen rasch mit dieser Salbe aus dem Blut-und-Boden-Schlick,
und die allerletzte Reise ist ein ruhiger, schöner Trip
aus der letzten autonomen
wunderbaren wunderschönen Selbstbestimmungs-Republik.
Und er singt von all den Typen: Mike, dem Mescalero-Chief,
Tom, der Krokodile reitet, Steffi, die schon schweben kann,
Tina, die sich Mich abmelkt und den kaputten Fixern bringt.
Von dem Knaben, mit der tätowierten Feder auf der Stirn,
der hält Wache und er reitet auf dem Dachfirst hin und her
und verfolgt mit seinem Fernrohr Tag und Nacht hin und zurück
diesen Wettlauf zwischen Sky-Lab und dem großen Bär
über der letzten autonomen
wunderbaren wunderschönen Selbstbestimmungs-Republik.
Feiern werden da gefeiert! Jimmy Hendrix schwebt herab,
hunderttausend Schmetterlinge flattern gierig vor ihm her
Feuerschlucker schlucken Blitze, Tänzer tanzen auf dem Seil
zwischen Mond und Seufzerbrücke singt der Sänger, singt noch mehr.
Und die Hausfraun schütteln Köpfe und die Rentner werden bös,
die Verfassungsschützer lächeln und sie reiben ihr Genick,
und die Kinder auf den Skate-boards schlängeln sich und summen mit
von der lernen autonomen
wunderbaren wunderschönen Selbstbestimmungs-Republik.
Abgetörnt und rumgestoßen und im Beutel kaum noch Gras,
die Gitarre an der Schulter, geht er abends aus der Stadt,
zählt die Münzen und paar Scheine, legt sich unter einen Baum,
träumt den Traum der tausend Träume, davon wird man nie mehr satt,
wie die hunderttausend Träumer als die wilden Gänse schrien
rannten fürchterlich entschlossen diesen geilen Traum im Blick
in die Salven, Minenfelder bei Langemarck und Stalingrad
in die letzte autonome
wunderbare wunderschöne
Selbstbestimmungs-Republik. | |